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15 kognitive Verzerrungen, die Webentwicklung & Kommunikation prägen

damaris · 7. Dezember 2025

Was wir aus unserem xMas-Game für digitale Projekte lernen können

Wir feiern Weihnachten – und gleichzeitig feiern wir die kleinen Denkfehler, die uns täglich begleiten. In unserem xMas-Game haben wir 15 Biases spielerisch verpackt.
Hier im Blogbeitrag packen wir sie fachsimpelnd aus:
Was bedeuten sie fĂĽr Webentwicklung, UX und Kommunikation?
Und wie wirken sie in digitalen Projekten – ob Landingpage, Onboarding oder Produktwelt?


1. Confirmation Bias

Wir suchen Informationen, die unsere bestehende Meinung bestätigen.
Im Web:

  • Teams testen nur Varianten, die sie selbst mögen.
  • User Research wird ignoriert, wenn das Ergebnis nicht zur Wunschlösung passt.
  • “Die Nutzer wollen das sicher so” – ohne Daten.

Tipp: Immer gegensätzliche Hypothesen testen. Wirklich testen.


2. Anchoring Bias

Der erste Wert beeinflusst alles, was danach kommt.
Im Web:

  • Der erste Preis auf einer Preisseite setzt den mentalen Anker.
  • “Ab CHF 49.–” macht alle späteren Preise relativ gĂĽnstig.
  • Erste Ladezeit bestimmt das gesamte Qualitätsurteil.

Tipp: Anker bewusst setzen, nicht dem Zufall ĂĽberlassen.


3. Availability Heuristic

Wir überschätzen das, was uns gerade präsent ist.
Im UX-Alltag:

  • Ein kritisches Nutzerfeedback → “Alle haben dieses Problem!”
  • Ein Bug in der Demo → “Das System ist instabil.”
  • Persönliche Erfahrung wird wichtiger eingeschätzt als Daten.

Tipp: Entscheidungen nicht auf Einzelereignisse stĂĽtzen.


4. Social Proof

Was andere tun, muss gut sein.
Auf Websites:

  • Ratings, Sterne und Testimonials erhöhen Conversions massiv.
  • “Beliebtestes Produkt” beeinflusst Kaufverhalten direkt.
  • Ohne Proof wirkt ein Angebot riskanter.

Tipp: Social Proof ist kein Nice-to-have, sondern ein UX-Pattern.


5. Loss Aversion

Verlust schmerzt mehr, als Gewinn Freude macht.
Im Digitalen:

  • “Jetzt Chance nicht verpassen” funktioniert besser als “Jetzt profitieren”.
  • KĂĽndigungsflows wirken oft härter als Registrierungsflows.
  • User meiden Ă„nderungen aus Angst vor Kontrollverlust.

Tipp: Risiken minimieren, Sicherheit signalisieren.


6. Status Quo Bias

Wir bleiben lieber beim Alten.
In Projekten:

  • Alte Prozesse werden beibehalten, “weil wir es immer so gemacht haben”.
  • User klicken bekannte Elemente – auch wenn das neue besser wäre.
  • Replatformings scheitern am Widerstand gegen das Neue.

Tipp: Veränderungen in kleinen, verträglichen Schritten einführen.


7. Framing Effect

Wie wir etwas sagen, verändert die Wahrnehmung.
Im Webwriting:

  • “90 % Erfolgsquote” ≠ “10 % scheitern”.
  • Positiv formulierte Onboardings reduzieren AbbrĂĽche.
  • Button-Labels entscheiden ĂĽber Klick oder Nicht-Klick.

Tipp: Inhalte testen, nicht nur gestalten.


8. Choice Overload

Zu viele Optionen → Überforderung.
Typisch Web:

  • Dropdowns mit 40 Einträgen.
  • Navigationsmonster mit fĂĽnf Ebenen.
  • 12 Tarife, die sich kaum unterscheiden.

Tipp: Weniger Auswahl = bessere Entscheidungen.


9. Endowment Effect

Wir bewerten etwas höher, wenn es uns “gehört”.
In Anwendungen:

  • Personalisierte Dashboards werden kaum gelöscht, auch wenn sie schlecht funktionieren.
  • Nutzer halten am eigenen Workflow fest.
  • “Ihre Einstellungen wurden gespeichert” schafft Bindung.

Tipp: Personalisierung dosiert einsetzen – sie wirkt stärker als man denkt.


10. Sunk Cost Fallacy

Je mehr wir investiert haben, desto schwerer fällt der Abbruch.
In Projekten:

  • “Wir haben schon so viel Zeit in dieses Feature gesteckt.”
  • Dead-End-Projekte laufen Monate länger als nötig.
  • Teams behalten Lösungen, obwohl Daten klar dagegen sprechen.

Tipp: Entscheidung auf Zukunftsnutzen ausrichten, nicht auf Vergangenheit.


11. Recency Bias

Jüngste Ereignisse wirken wichtiger als ältere.
Im UX-Testing:

  • Der letzte Testnutzer prägt die Meinung disproportioniert.
  • JĂĽngste Analytics-Peaks werden ĂĽberinterpretiert.
  • Support-Tickets der letzten Woche scheinen dominanter.

Tipp: Trends langfristig betrachten.


12. IKEA Effect

Wir lieben, was wir selbst gebaut haben.
Im Team:

  • Entwickler verteidigen Code, den sie selbst geschrieben haben.
  • Product Owner hängen an Features, die sie initiiert haben.
  • User lieben eigene Konfigurationen.

Tipp: Objektive Priorisierung, nicht Stolz.


13. Bandwagon Effect

Wenn alle es tun, machen wir mit.
Im Marketing:

  • “Schon ĂĽber 50’000 Nutzer” hebt Conversion Rates.
  • Trend-Themen wie AI werden ĂĽberproportional priorisiert.
  • Technologien werden gewählt, weil sie “jeder nutzt”.

Tipp: Differenzieren statt blind mitziehen.


14. Optimism Bias

Wir überschätzen positive Ergebnisse.
Bekannt aus Projekten:

  • “Wir schaffen das locker bis Ende Q3.”
  • Bugs? “Fixen wir schnell.”
  • Launches? “Geht sicher problemlos.”

Tipp: Realistische Planung + Risikopuffer.


15. Survivorship Bias

Wir sehen nur die Erfolgreichen – nicht die Gescheiterten.
Im Web- und Produktdesign:

  • Wir kopieren Design von erfolgreichen Apps – ohne deren Kontext.
  • Nur sichtbar: die Nutzer, die durchkommen. Nicht die, die abspringen.
  • Erfolgsgeschichten verzerren die Realität.

Tipp: Immer auch die “Unsichtbaren” betrachten: Abbrecher, Non-User, Non-Converter.


Fazit

Digitale Produkte entstehen nie in einem neutralen Raum.
Wir denken, wir entscheiden, wir entwickeln – und unsere kognitiven Verzerrungen entwickeln fröhlich mit.

Wer Biases versteht, gestaltet:

  • klarere Kommunikation
  • bessere User Experience
  • datenbasierte Entscheidungen
  • mutigere, aber realistischere Projekte

Oder anders gesagt:
Besser Fachsimpeln = Besser Arbeiten.

Weitere Blogbeiträge zum Thema:

  • Nutzerverhalten durch Verhaltensökonomie steuern (2023)

 
Digitale Lösungen. Einfach einfach.
 

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